Grafik zeigt ein Labyrinth welches mit den Auswirkungen von Traumata in Worten beschriftet ist

Gesprächstherapie

Gesprächstherapie

Welche Form der Gesprächsführung bei der Beratung oder Therapie genutzt wird, wird individuell entschieden. In manchen Betroffenenfällen können Anteile aus allen drei Gesprächstechniken genutzt werden.

Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation – die “Giraffensprache”

nach Dr. Marshall Rosenberg (= Schüler von Rogers)
Dr. Marshall Rosenberg setzt in seiner Arbeit die Thesen Rogers fort.

Ziele der Gewaltfreien Kommunikation:

  • befriedigende Beziehungen aufbauen und erhalten
  • unsere Bedürfnisse befriedigen, ohne anderen (verbale) Gewalt anzutun
  • schmerzliche Kommunikation verändern
  • Konflikte positiv wandeln

Grundlagen: (denen Rogers sehr ähnlich)

  • Menschen sind soziale Wesen und in vielen Bedürfnissen voneinander abhängig
  • Alle Menschen möchten ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen
  • Wir leben in guten Beziehungen, wenn wir diese Bedürfnisse durch Zusammenarbeit statt durch aggressives Verhalten erfüllen
  • Jeder Mensch hat bemerkenswerte Ressourcen, die uns erfahrbar werden, wenn wir durch Einfühlung (Empathie) mit ihnen in Kontakt kommen
  • Hinter jedem aggressiven Verhalten steckt ein Bedürfnis
  • Jedes Bedürfnis dient dem Leben – es gibt keine „negativen“ Bedürfnisse

Die Wolfssprache

Rosenberg nennt unseren „normalen“ sozialen Umgangston „Wolfssprache“.

Sie ist gekennzeichnet durch:

  • Analyse: „Wenn du das beachtet hättest....“
  • Kritik : „So ist das falsch, das macht man so...“
  • Interpretationen: „Du machst das, weil....“
  • Wertungen: „Du bist klug, faul, richtig, falsch...“
  • Strafandrohungen: „Wenn du nicht sofort, dann...“
  • Regeln und Normen
  • Sich im Recht fühlen

Resultat der Wolfssprache ist in der Regel, dass der andere sich schlecht fühlt, sich wehrt oder ausweicht. In jedem Fall provoziert die Wolfssprache gegenseitige Aggressionen. Nach Rosenberg repräsentiert die Wolfssprache den eher missglückten Versuch, ein Bedürfnis auszudrücken.

Die Giraffensprache

Ist die Sprache des Herzens.

Kennzeichen:

  • auf Gefühle achten
  • Versuch, die Bedürfnisse des anderen herauszufinden
  • Trennung von Beobachtung und Bewertung
  • Bitten statt Fordern
  • Übersetzung von Angriffen, Vorwürfen, Beleidigungen und Forderungen in Gefühle und Bedürfnisse

Beispiel:
Wolf:

„Du warst heute schon wieder zu faul, den Müll rauszubringen. (Bewertung) Ständig muss ich darauf achten, dass hier alles läuft – du kümmerst dich um nichts. (Kritik) Du machst das nur, um mich zu ärgern (Interpretation). Wenn sich das in Zukunft nicht ändert, dann werde ich für dich auch nicht mehr .....“(Strafandrohung)

Giraffe (Übersetzung):

„Du hast den Müll nicht rausgebracht. (Objektiver Sachverhalt – Situation) Ich bin verärgert und habe das Gefühl, für alle Aufgaben im Haus allein verantwortlich zu sein. (Gefühle) Gerne möchte ich im Haushalt entlastet werden (Bedürfnisse) und wünsche mir deshalb allgemein mehr Entgegenkommen und Mitwirkung von deiner Seite." (Wünsche)

In Beratungsgesprächen ist die giraffische Übersetzung als Grundlage sehr hilfreich, um zukünftige Zielsetzungen und Vereinbarungen auszuarbeiten. Es empfiehlt sich, mit „Giraffenohren“ herauszuhören, welche Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche angesprochen werden und entsprechend darauf zu reagieren. Auf unser Beispiel angewandt könnte das Gespräch dann in folgender Form weiter verlaufen:

„Es war nicht meine Absicht, dich zu verärgern. Ich mag das „Müllmachen“ nicht sehr, deshalb vergesse ich es leicht. Vielleicht kann ich dafür gleich das Staubsaugen übernehmen?“ (dem Bedürfnis nach Entlastung und dem Wunsch nach Mitwirkung wird hier Rechnung getragen)

Oder – für den Fall, dass ich die Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche des anderen zwar erkannt habe, diese aber nicht erfüllen möchte (aus welchen Gründen auch immer):

„Du bist verärgert. Das war nicht meine Absicht. Ich mag die Hausarbeiten zwar ganz und gar nicht, möchte aber deswegen keinen Streit mit dir. Können wir uns nicht gemeinsam etwas überlegen, was für unser beider Entlastung geeignet wäre? Du kannst dir meiner allgemeinen Unterstützung und Mitwirkung auf jedem anderen Gebiet völlig sicher sein.“

Wenn wir lernen, eher “giraffisch” zu kommunizieren, haben wir viele Vorteile:

  • Verbessertes Verständnis auf beiden Seiten
  • Transparenz von Absichten und Motivation, so dass eine Abwehrreaktion oder Aggression unnötig wird
  • Positive Bearbeitung von Konflikten

Lösungsorientierte Gesprächsführung

Inmitten der Schwierigkeit liegt die Möglichkeit.
Albert Einstein

Bei manchen Krisen und Problemen ist rasches Handeln wichtig. Lösungsorientierte Beratung kann hier helfen. Eine Problemlösung wird am schnellsten erreicht, wenn man sich von Anfang an auf mögliche Lösungen und nicht auf die Probleme konzentriert. Statt des Rückblicks auf die Vergangenheit steht die Auseinandersetzung mit Möglichkeiten der Zukunft im Vordergrund.

Bei der lösungsorientierten Gesprächsführung wird man angeleitet, Problemsituationen unter verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dabei vergrößert sich für denjenigen der Handlungsspielraum und man entdeckt hilfreiche Alternativen. Jedes Problem hat Ausnahmen, d.h. Zeiten, in denen das Problem nicht aufgetreten ist. Die Wahrnehmung wird also auf Lebensbereiche gelenkt, die nicht mit dem problematischen Zustand verbunden sind. Mit Hilfe verschiedener Fragetechniken werden Suchprozesse ausgelöst, die bei der Problembewältigung kreativ genutzt werden können.

In der lösungsorientierten Beratung werden dabei ganz unterschiedliche Wege beschritten, die bewirken sollen, dass man sich der eigenen Stärken/Ressourcen bewusst wird und sich eine gute Zukunft vorstellen könnte, in der gegenüber der Jetzt-Situation etwas anders ist.

Als Beispiel kann die Wunderfrage genannt werden. Sie lautet folgendermaßen:

Angenommen, es wäre Nacht und Sie legen sich schlafen. Während Sie schlafen geschieht ein Wunder und das Problem, das Sie schon seit längerer Zeit belastet, ist gelöst. Da Sie geschlafen haben, wissen Sie nicht, dass dieses Wunder geschehen ist. Was wird Ihrer Meinung nach morgen früh das erste kleine Anzeichen sein, welches Sie darauf hinweist, dass sich etwas verändert hat?

Die Wunderfrage kann wie folgt präzisiert werden:

  • Was genau wäre anders?
  • Wie würden Sie sich anders verhalten? Was würden Sie tun, wenn Sie sich von dem beklagten Zustand befreit fühlen?
  • Welche Gedanken/Gefühle sind dann anders?
  • Wer in Ihrer Umwelt würde bemerken, dass dieses Wunder geschehen ist?
  • Wann war es in letzter Zeit schon einmal so ein bisschen wie nach dem Wunder?
  • Was können Sie jetzt tun, um ein Stück dieses Wunders schon jetzt passieren zu lassen?

Die Einfälle, die im Zusammenhang mit der Wunderfrage entstehen, sind in der Regel positive Zukunftsphantasien. Sie begeben sich (durch Probehandeln in der Phantasie) in einen zukünftigen Moment, in dem die beklagte Situation nicht mehr besteht. Man wird in der Phantasie dazu angeregt, sich Änderungsmöglichkeiten vorzustellen. Das erleichtert dann die tatsächliche Einleitung von realen Veränderungsschritten.

In therapeutischen Sitzungen und bei Beratungsgesprächen (auch Online-Beratung) können Strategien der Lösungsorientierten Beratung eingesetzt werden, um:

  • dem Betroffenen persönliche Ressourcen bewusst zu machen;
  • den Betroffenen dabei zu unterstützen, konkrete Lösungen für schwierige Lebenslagen anzudenken;
  • die Entwicklung neuer Sichtweisen zu fördern.

Psychologische Gesprächsführung

Psychologische Gesprächsführung - Klientenzentrierter Ansatz

Klientenzentrierte Gesprächsführung auf der Grundlage der klientenzentrierten Gesprächstherapie nach CARL R. ROGERS
Klient / Betroffener = Gesprächspartner/Hauptperson im Gespräch

Überall dort, wo diese klientenzentrierte Haltung praktiziert wird, entwickelt sich ein verstehendes Klima, das Mut macht und realistische Einschätzungen ermöglicht. Gefühle sollen frei ausgedrückt werden, auch wenn sie negativ sind.

Rogers Annahmen beruhen auf seinem optimistischen Weltbild:

Der Mensch ist gut und hat eine Tendenz zur Selbstverwirklichung, zu Wachstum, Gesundheit und Anpassung. Manchmal wird der Mensch an Wachstum und Selbstverwirklichung gehindert, dann muss man die geeigneten Bedingungen wiederherstellen, damit er sich wieder selbst verwirklichen kann.

Allgemein bewährt sich diese Gesprächsführung in jeder Situation, besonders sinnvoll ist der Einsatz bei:

  • emotionalen Konflikten zwischen den Gesprächspartnern
  • Unsicherheit
  • Dem Gefühl des Gesprächspartners, ungenügend zu sein
  • Menschen mit geringem Selbstwertgefühl
  • Ängstlichen und gehemmten Menschen

Die Basisvariablen:

Die Gesprächsführung nach Rogers ist keine Methode, sondern eine Weltanschauung. Kongruenz (=Übereinstimmung mit sich selbst) und Echtheit sind wichtige Voraussetzungen für jeden, der diese Gesprächsform anwendet, das heißt: Die Gesprächspartner sollten ganz sie selbst sein, sich nicht verleugnen.

Wir unterscheiden 3 Stufen in der Gesprächsführung.

Stufe I: Das verständnisvolle Zuhören

Man zeigt Bereitschaft, auf den anderen einzugehen: Gesten wie Kopfnicken, Blickkontakt, bestätigende Laute wie Hm, ja.

Man vermittelt das Gefühl:

  • Ich werde verstanden
  • Ich werde nicht bewertet, sondern akzeptierend angehört
  • Mein Gegenüber ist an meinen Gedanken und Gefühlen interessiert

Stufe II: Das Paraphrasieren

= Wiederholen der Äußerungen mit eigenen Worten

Überprüfung, ob alles richtig verstanden wurde. Der Gesprächspartner hat die Möglichkeit, Gedanken und Gefühle noch deutlicher wahrzunehmen und auszudrücken. Wichtig ist die Schwerpunktlegung: Entweder auf die Gefühle oder die Gedanken! Auf die differenzierte Darstellung der äußeren Sachinhalte.

Stufe III: Das Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte

Hierbei wird nicht der gesamte Inhalt des Gesagten wiederholt, sondern hauptsächlich die Gefühle, die hinter der Aussage stecken. Der Berater teilt mit, welches Gefühl er herausgehört hat und spiegelt dies wieder. Hilfreich ist diese Methode nur, wenn die Atmosphäre entspannt und akzeptierend ist, ansonsten könnte sie Angstgefühle beim Gesprächspartner auslösen! Bei zu spürender Abwehrhaltung des Gesprächspartners: zurück zu Stufe I und II!!

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