Grafik zeigt ein Labyrinth welches mit den Auswirkungen von Traumata in Worten beschriftet ist

Psychosomatik

Psychosomatik

Wieso hat der Bundesverband ANUAS e. V. entschieden, eine Informations- und Aufklärungsplattform für Gewaltopfer zu errichten?

Eine Gewalttat ist immer ein traumatisches Ereignis, welches mit langjährigen Traumafolgen verbunden ist. Die Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) ist die bekannteste der langfristigen Traumafolgen. Bei 10 – 80 %derjenigen, die ein traumatisches Ereignis miterleben, entsteht irgendwann im Laufe des Lebens eine PTBS. Und eine PTBS ist behandelbar.

ANUAS möchte mit der Informations- und Aufklärungsplattform Betroffenen helfen, mit einer Gewalttat und den Auswirkungen umzugehen und die Auswirkungen zu verstehen.

WAS IST EIN TRAUMA?

Was bedeutet es, ein Trauma zu überleben? Und was, es durchzuarbeiten? Wie oft haben Sie wohl schon geglaubt, Ihr Leben sei übersichtlich und wohlgeordnet, und plötzlich passiert dann etwas, das alles über den Haufen warf? … Sie finden sich plötzlich am Rande eines Abgrundes wieder. Was können Sie tun? Aufgeben? Weglaufen? Möchten Sie am liebsten einfach sterben, um sich den Problemen, die nun auf Sie zukommen, nicht stellen zu müssen? Oder haben Sie das Bedürfnis, einfach nur irgendwie weiterzumachen?

Wir zitieren aus dem PTBS-Arbeits-Buch von Dr. Mary Beth Williams und Dr. Soili Poijula „Wirksame Techniken zur Überwindung von Symptomen traumatischer Belastung“ G.P. Probst Verlag Lichtenau / Westfalen 2002, weil der ANUAS glaubt, dass diese Schilderungen sehr zutreffend und aussagefähig für Betroffene sind.

Bevor traumatische Ereignisse ihre verstörende Wirkung in unserem Leben entfalten, orientiert sich alles, was wir tun und lassen, an bestimmten grundlegenden Annahmen. Wahrscheinlich halten Sie die Welt für grundsätzlich positiv, und Sie glauben, daß Ihr Leben einen Sinn hat und daß alles Geschehen irgendwie sinnvoll ist. Sie halten sich selbst für gut und glauben deshalb, Sie hätten es verdient, gute Dinge zu erleben (Janoff-Bulmann 1992). Dann trifft Sie ein Trauma, und plötzlich können Sie das, was in Ihrer Umgebung geschieht, nicht mehr beeinflussen. Sie merken, wie verletzlich Sie sind und daß Ihre Welt nicht mehr frei von Gefahren und sicher ist. Außerdem verstehen Sie die veränderte Situation nicht. Der Sinn, den Ihr Leben noch vor kurzem hatte, existiert nicht mehr. Das Leben kommt Ihnen nicht mehr fair und gerecht vor.

„Traumatisierte sehnen sich sehr nach Möglichkeiten, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und zu verstehen. Obwohl die meisten von einem traumatischen Ereignis unmittelbar Betroffenen ebenso wie die Zeugen solcher Vorfälle sich schließlich völlig davon erholen, kann sogar bei denjenigen, die keine voll ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln, eine Anzahl von Symptomen auftreten, die auf diese Störung zurückzuführen sind, beispielsweise Flaschbacks (Erinnerungsblitze), intrusive Gedanken und Erinnerungen, eine Tendenz zu Überreaktionen, das Meiden bestimmter Personen, Orte, Dinge und anderweitiger Trigger (Auslöser) sowie die Schreckhaftigkeit. Andere Menschen leiden nach solchen Erlebnissen lebensland unter Traumafolgen, die ihren Charakter völlig verändern; und viele Traumatisierte leiden uter einem Syndrom, das Forscher gerade erst zu beschreiben beginnen: der komplexen PTBS…“

Dr. Mary Beth Williams – Traumatherapeutin USA

Was ist ein Trauma?

Für den Begriff „Trauma“ gibt es viele Definitionen:

„Unter einem Trauma können wir eine Situation verstehen, in der ein Mensch vollkommen hilflos, vollkommen ohnmächtig einem Geschehen ausgeliefert ist, das er nicht beeinflussen kann“ (REDDEMANN, 1999)

„Der griechische Begriff Trauma bedeutet Verletzung. Ein Psychotrauma ist eine psychische Verletzung, die durch extremen psychischen Stress entsteht. Traumatisierung ist also eine Stressreaktion auf belastende Ereignisse.“ (Lammer, 2009)

„Ein Trauma ist im Nervensystem gebunden. Es ist somit eine biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine als lebensbedrohlich erfahrene Situation. Das Nervensystem hat dadurch seine volle Flexibilität verloren. …“ (Dr. Peter Levine, promoviert in medizinischer Biophysik und in Psychologie)

„Ein Trauma ist ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.“ ( Fischer und Riedesser, 2003)

Trauma I

Im DSM IV¹ werden Traumen folgendermaßen beschrieben:
„Potentielle oder reale Todesbedrohungen, ernsthafte Verletzungen oder eine Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit bei sich oder anderen, auf die mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit oder Schrecken reagiert wird.“

Trauma II

Als Traumen werden im ICD 10² definiert:
„kurz oder lang anhaltende Ereignisse oder Geschehnisse von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß, die nahezu bei jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde.“

Trauma III

Unter einem Trauma können wir eine Situation verstehen, in der ein Mensch vollkommen hilflos, vollkommen ohnmächtig einem Geschehen ausgeliefert ist, das er nicht beeinflussen kann. (Luise Reddemann, 1999)

Wie zeigt sich die Symptombildung nach einem Trauma?

Nach einem traumatischen Erleben sind Menschen oftmals überwältigt vom Ereignis. „Normale“ Reaktionen, wie Angst, Wut und Trauer werden zu Panik und Erschöpfung.

Neben allen erdenklichen pathologischen Reaktionen wie Suizid, Sucht, psychosomatischen Störungen und Persönlichkeitsveränderungen münden Traumen oft in PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) mit folgenden Kriterien:

  • Erlebnis eines Traumas Intrusionen (unwillkürliche und belastende Erinnerungen an das Trauma)
  • Vermeidungsverhalten und allgemeiner Taubheitszustand
  • Anhaltendes physiologisches Hyperarousal (Übererregung)
  • Symptome dauern länger als 1 Monat

Eines wird deutlich: bei einem Trauma sind fürchterliche Dinge geschehen, die die Betroffenen bei sich (Primärtraumatisierung) oder Anderen (Sekundärtraumatisierung) erlebt haben, und sie hatten absolut keine Kontrolle.

Genau das erfordert ein besonderes Verstehen und einen speziellen Umgang mit traumatisierten Menschen. Verstehen und Umgang sind entscheidende Aspekte der Beziehung, und jede Form von therapeutischer Beziehung ist geprägt von Übertragung und Gegenübertragung.

¹ DSM IV = Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen
Das Diagnostische und Statistische Manual psychischer Störungen ist ein weltweit angewandtes Klassifikationssystem der psychischen Störungen, das durch die Angabe korrespondierender ICD-10-F-Codierungen in einem breiten klinischen Gebiet Anwendung finden kann. Es enthält für jede psychische Störung genaue operationale diagnostische Kriterien, durch deren Anwendung die Zuverlässigkeit und Validität psychiatrischer Diagnosen erhöht werden kann.

² ICD 10 = Internationale Klassifikation der Krankheiten

Traumatypen

Typ I Monotrauma
als kurzandauernde einmalige Traumatisierung

Typ II Komplextrauma
als langandauernde, sich wiederholende Traumatisierungen

Trauma nach ICD 10¹:
F43.0 Akute Belastungsreaktion (Minuten bis Stunden)
„[…] eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung[…]“
„Die Belastung kann eine überwältigende traumatische Erfahrung einschließlich ernsthafter Bedrohung der Sicherheit oder körperlichen Unversehrtheit von einem selbst oder einer geliebten Person(en) (zum Beispiel Naturkatastrophe, Unfall, Kampf, krimineller Übergriff, Vergewaltigung) oder eine ungewöhnliche plötzliche und bedrohliche Änderung in der sozialen Stellung und/oder dem sozialen Netz des Einzelnen, wie etwa mehrfacher Verlust durch Todesfall oder ein Hausbrand, sein.“ (Handb.)

F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung (bis 6 Monate)
„[…] ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“.

F43.2 Anpassungsstörung (bis 1 Monat)
Resultiert aus psychosozialen Belastungen deren Bewältigung dem Betroffenen aufgrund einer individuellen Disposition nicht störungsfrei gelingt. – einschneidende Lebensveränderungen – nicht katastrophalen Ausmaßes

F62.0 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(nach > 2 Jahre)
„[…] Belastung katastrophalen Ausmaßes […]. Die Belastung muss so extrem sein, dass die Vulnerabilität (Verwundbarkeit, Verletzbarkeit) der betreffenden Person als Erklärung für die tief greifende Auswirkung auf die Persönlichkeit nicht in Erwägung gezogen werden muss.“

Klassifikationen (ICD 10¹) Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)

Dieses Kapitel gliedert sich in folgende Gruppen:
F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F70-F79 Intelligenzstörung
F80-F89 Entwicklungsstörungen
F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

¹ ICD 10 = Internationale Klassifikation der Krankheiten

Was passiert im Körper nach einem Trauma?

Nach der traumatischen Situation bleibt der Teil im limbischen System, der für die Angstwahrnehmung verantwortlich ist - die Amygdala - in Alarmbereitschaft. Was passiert jetzt aber in der präfrontalen Hinrinde, wenn ein Trauma erfolgt? Solch ein Trauma kann gesamte wichtige Gehirnzentren „lahm legen“. Dazu gehören die Sprache, die Motorik, die Sensorik und die Sinne. Das ist eine Erklärung für schlechteres Hören, Sehen, Konzentrationsfähigkeit und oft auch Sprachstörungen nach einem akuten Trauma.

Die Situation – das Trauma – erreicht den Thalamus. Der Thalamus als „Eingangstor“ zum Gehirn für Sinnesinformationen leitet die Informationen an die Amygdala, die für die emotionalen Reaktionen verantwortlich ist, weiter. Von dort werden die „Gefahr"-Informationen an die Basalganglien (= Planung und Ausführung von Bewegungen), den Hirnstamm (= Kontrolle zentraler Lebensfunktionen, wie: Herz – Puls, Lunge – Atmung und Eingeweide – Bauch) und den Hypothalamus (= emotionale Funktionen und Schlaf) weitergeleitet. Die Basalganglien, die für die Planung und Ausführung von Bewegungen zuständig ist, beeinflusst die Körperbewegungen – nur noch die nötigsten Bewegungen werden ausgeführt. Man fühlt sich „starr“, „gelähmt“, wie ein „Roboter“. Der Hirnstamm, der eine wichtige Funktion in der Kontrolle der zentralen Lebensfunktionen hat, beeinflusst das Herz, die Lunge und die Eingeweide. Auch hier werden die nötigsten – die unbedingt für das Leben notwendigen – Aktionen ausgeführt, der Herzschlag verändert sich, damit auch der Puls. Die Atmung sowie der Stoffwechsel führen ihre Arbeit nicht mehr normgerecht aus – der Sympathikus und Parasympathikus wirken im Wechselspiel.

Der Hypothalamus sorgt in seiner Aufgabe, die emotionalen Funktionen und den Schlaf zu regulieren, dafür, dass die Emotionen verrücktspielen und der Betroffene nicht einschlafen oder durchschlafen kann. Der Hypothalamus kontrolliert ebenfalls das Hormonsystem, er ist das Steuerzentrum des gesamten vegetativen Nervensystems. Der Hypothalamus wird vom Limbischen System beeinflusst, einem Großhirnbereich, der Instinktzentren beherbergt – Flucht- oder Kampf-Verhalten. Dieses Verhalten geht mit veränderten Eingeweide- und Drüsentätigkeiten einher. Des Weiteren gibt es Efferenzen, die sich anatomisch und funktionell unterscheiden, zwei sogenannte Untersysteme, das Sympathische und das parasympathische System, zu dem auch der Vagusnerv gehört: Sympathikus und Parasympathikus. Beide reagieren auf emotionale Reize. Das alles führt im Endeffekt dazu, dass der Traumatisierte emotionale Reaktionen zeigt. Diese Reaktionen führen zum jeweiligen Denken und Fühlen. –
(Herschkowitz, Norbert – „Das Gehirn“ – 2007, Herder Verlag Freiburg im Breisgau, S. 54)

Man kann den Sympathikus und den Parasymphatikus mit Gas und Bremse eines Autos vergleichen. Der Sympathikus steuert den Körper bei Erregung, d. h. er wirkt leistungssteigernd. Der Parasympathikus steuert den Körper in Ruhephasen, d. h. er wirkt beruhigend. Um z.B. Einschlafen zu können, muss der Parasympathikus aktiviert werden, d.h., das System muss auf Entspannung umgeschaltet werden. Die Funktion dieser beiden Systeme steht in einem engen Zusammenhang mit den endokrinen Drüsen – Gehirnanhangdrüse, Zirbeldrüse, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren, Geschlechtsdrüsen usw.. Neben den Nerven kommunizieren auch die Drüsen über die chemischen Botenstoffe die sie ausscheiden mit dem Gehirn und auch direkt untereinander. So wird die Arbeit der Bauchspeicheldrüse durch die Aktivität der Schilddrüse und der Nebennieren beeinflusst, deren Tätigkeit auch durch das Nervensystem angeregt oder beruhigt wird.

Anzusprechen wären noch die Unterschiede in den Hemisphären: Auch biochemisch unterscheiden sich die beiden Hirnhälften. In der linken Hirnhälfte findet man sehr viel mehr Dopamins, in der rechten Hirnhälfte dagegen mehr Noradrenalin. Die rechte Hirnhälfte weist auch mehr Rezeptoren für die Neurohormone und für die Östrogene auf. Da sich die beiden Hirnhälften sowohl in Struktur, als auch in Chemie unterscheiden, ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie sich auch in ihrer Funktion unterscheiden. In der linken Hirnhälfte finden wir u.a. die Fähigkeiten wie Sprechen, analytisches Denken und Logik. In der rechten Hirnhälfte finden wir Verbindungen zum Körperbewusstsein, Kreativität, gefühlsmäßigem Denken. Die bilaterale Struktur kann vielseitig stimuliert werden, so z.B. durch EMDR.

Primärtraumatisierung = die Traumatisierung der Betroffenen direkt

Sekundärtraumatisierung = die übernommene fremde Traumatisierung

Tertiärtraumatisierung = verbale Vermittlung des Traumas an 3. Person

Eine Auswahl an Auswirkungen eines Traumas

  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Angst
  • Sucht
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Körperliche Erkrankungen
  • Suizidgefahr

Depressionen

Depressionen: Viele sind betroffen!

Kurzzeitig anhaltende depressive Episoden oder wiederholt auftretende, länger andauernde depressive Störungen gehören zu den häufigsten seelischen Erkrankungen: Etwa jeder 10. Mensch ist im Laufe seines Lebens einmal davon betroffen. (ca. 5,3 Mio. Menschen in Deutschland – Einwohner wie Berlin & Hamburg zusammen) * In den Medien wird daher von einem regelrechten „Zeitalter der Depressionen“ gesprochen.

Zweifel und Verunsicherung sind groß, denn diese Erkrankung hat die unterschiedlichsten Gesichter. Häufige Symptome sind verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, herabgesetztes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle, Gefühle von Wertlosigkeit, pessimistische Zukunftsperspektiven, Schlafstörungen, verminderter Appetit, Angst- und Spannungsgefühle.

Depression als Krankheit

Jeder Mensch kennt Phasen im Leben, in denen es nichts gibt, worauf man sich freuen kann, alles grau in grau erscheint, man „deprimiert“ ist. So kann das Wetter, die berufliche Tätigkeit oder eine private Enttäuschung als deprimierend erlebt werden. Depression wird oft als Begriff gebraucht, um alltägliche Schwankungen unseres Befindens zu beschreiben. Aber eine Depression im medizinischen Sinne ist etwas anderes als eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit und Unlust oder ein Stimmungstief, das bei fast jedem Menschen im Laufe des Lebens ein- oder mehrmals auftritt.

Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst, mit Störungen von Körperfunktionen einhergeht und erhebliches Leiden verursacht. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Aber es gibt gute und effektive Möglichkeiten der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung.

Die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs Depression kann irreführend sein. Wenn ein an Depression erkrankter Mensch oder die Angehörigen annehmen, Freudlosigkeit, gedrückte Stimmung und Hoffnungslosigkeit seien nachvollziehbare Reaktionen auf bestehende Lebensprobleme und nicht Ausdruck einer eigenständigen, behandelbaren Erkrankung, so ist das Risiko groß, dass keine professionelle Hilfe (eines Arztes oder Psychotherapeuten) gesucht wird.

Eine Depression im medizinischen Sinne ist aber wie jede andere Erkrankung auch behandlungsbedürftig. Eine Depression ist durch bestimmte Krankheitszeichen (sogenannte Symptome) gekennzeichnet. Treten diese über mindestens zwei Wochen, wird die Diagnose Depression gestellt.

Depression nach einer Krise

Eine Lebenskrise bedeutet eine akute seelische Belastungssituation durch Ungleichgewicht der eigenen seelischen Anpassungs- und Verarbeitungsfähigkeit und der inneren und äußeren Belastung durch Alltagsrealität.

Eine seelische Krise tritt auf, z. B. bei einem Mord-, Suizid-, Todesfall mit beeinträchtigter seelischer Verarbeitung oder einer massiven Erschöpfung (Burnout) aufgrund stärkerer Verausgabungs- und Unterordnungstendenz. Oft findet man bei diesen Menschen eine tiefe innere Einstellung: Mir darf es nur gut gehen, wenn es allen anderen gut geht.

Die seelische Krise wird zur Lebenskrise, wenn die berufliche oder private Realität des Einzelnen so stark beeinträchtigt ist, dass er seine berufliche Identität oder seine privaten Bindungen verliert. Die Folge ist eine berufliche oder private Isolation mit seelischer auch körperlicher Erkrankung.

In einer seelischen Krise fühlt sich der Einzelne noch in seinen sozialen/beruflichen Bindungen oder in seinem privaten Beziehungsnetz ausreichend getragen, leidet aber durch die relativ akuten Belastungen seelisch und auch meist körperlich sehr stark, wie bei einer Partnertrennung, einem Todesfall oder einer unerwarteten beruflichen Kündigung.

In der Lebenskrise sieht der Einzelne zusätzlich keine richtige Zukunftsperspektive mehr, neigt zum Rückzug und zur Resignation.

Bei seelischer Krise wie auch bei Lebenskrise kann der Betroffene jedoch im Alltag noch folgerichtig, logisch und zweckmäßig reagieren und Hilfe organisieren. In einem so genannten „Nervenzusammenbruch“ bricht auch diese Realitätsbewältigung zusammen. Je nach Art dieses Nervenzusammenbruchs kommt es zu speziell heftigen Gefühlsreaktionen mit einem akuten Zusammenbruch der Lebensbewältigung und des Realitätsbezugs. Diese Menschen werden von ihrer Umgebung meist „außer sich“ erlebt.

Die Analogie zu einem Nervenzusammenbruch in der Identitätskrise ist die Selbstzerstörung, die Selbstvernichtung als Selbstmordversuch und nicht selten als endgültiger Zusammenbruch der Selbstmord.

Depression nach einem Trauma

Viele Betroffene stellen bei sich, oft zum ersten Mal in ihrem Leben, ganz ungewöhnliche Erlebnisweisen fest, wie schwere Verwirrtheit oder automatisch wiederkehrende Erinnerungsbilder und bekommen Angst, „verrückt zu werden". In Wirklichkeit handelt es sich dabei um eine ganz normale Reaktion auf die oft vollkommen „verrückte" und unnormale Situation, die sie erlebt haben.

Unsere Seele besitzt jedoch, ähnlich wie unser Körper, starke Kräfte zur Selbstheilung. Diese können wir gezielt unterstützen, wenn wir uns mit dem natürlichen Traumaverlauf vertraut machen. Dieser vollzieht sich in drei Phasen: Schockphase, Einwirkungsphase des Traumas und Erholungsphase.

Schockphase

Verwirrtheit, Unfähigkeit, sich an wichtige Daten zu erinnern, z.B. an die eigene Telefon- oder Hausnummer – dies alles sind Merkmale der Schockphase, die von einer Stunde bis hin zu einer Woche dauern kann. Im akuten Schockzustand ist die Hautfarbe bleich, die Atmung schnell und flach, die Betroffenen haben einen benommenen Blick, manchmal glauben sie, sich an einem anderen Ort zu befinden.

Einwirkungsphase

Daran schließt sich die Einwirkungsphase des Traumas an. Sie kann bis zu zwei Wochen anhalten. Jetzt ist die stärkste Erregung zwar abgeklungen, die Betroffenen sind jedoch von den Ereignissen innerlich völlig in Anspruch genommen. Immer wieder müssen sie, wie unter Zwang, von den Vorfällen berichten. Starke Selbstzweifel treten auf, häufig auch Depressionen sowie Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht. Auch bei Menschen, die zuvor eher optimistisch waren, erscheinen alle positiven Möglichkeiten des Lebens wie in weiter Ferne. Stattdessen klagen sich viele an wegen eigener Fehler. Im Wechsel damit können Wutanfälle und heftige Anklagen gegen mögliche Verursacher auftreten, seien diese Klagen nun berechtigt oder nicht. Oft treten in dieser Zeit Einschlafstörungen auf, Übererregbarkeit, Überwachheit, erhöhte Schreckhaftigkeit, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Alpträume und Nachhallerinnerungen vom traumatischen Ereignis. Wenn Todesfälle, insbesondere in der eigenen Familie, zu beklagen sind, erleben manche Überlebende eine schwere Depression und machen sich Vorwürfe, überlebt zu haben (sog. „Überlebensschuld").

Erholungsphase

Nach 14 Tagen, manchmal erst nach vier Wochen beginnen sich einige Betroffene vom Trauma zu erholen. Kommen weitere erschreckende Nachrichten oder belastende Lebensumstände hinzu, so verzögert sich die Erholungsphase und kann sogar gänzlich ausbleiben. Günstigenfalls sinkt jetzt auch die Dauererregung ab. Nicht jeder Gedanke an das traumatische Geschehen löst wieder den vollen Schrecken aus. Das Interesse am normalen Leben, an anderen Personen kehrt wieder. Die Zukunftspläne werden positiver gesehen. Noch immer ist das traumatische Ereignis von zentraler Bedeutung. Es kann noch lange dauern, bis unsere Sicht der Welt und unser Verständnis von uns selbst so umgearbeitet sind, dass die traumatischen Vorfälle darin einbezogen werden können. Für viele bildet das Trauma einen Anlass, über das bisherige Leben gründlich nachzudenken und ihre Zukunftsplanung zu überdenken (<- „Kartenhaus des Lebens“ - darauf verweisen.

Unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis finden sich diese und andere Beschwerden, wie schwere Depressionen und Selbstzweifel oder überwältigende Wut bei den meisten Betroffenen. Hier sprechen wir noch nicht von einem PTBS. Wer aus einer großen Gefahr nur knapp davongekommen ist, spürt auch nach der Rettung noch einen Erregungszustand am ganzen Körper. Die Knie zittern, viele spüren ein Zittern auch im Kiefergelenk und in der Beckenregion. Dies kennzeichnet sowohl die Schockphase wie auch Einwirkungsphase des Traumas. Bleibt die Erholung jedoch dauerhaft aus, so besteht ein erhöhtes Risiko für negative Langzeitfolgen.

Welche Ereignisse ziehen gehäuft negative Langzeitfolgen nach sich?

  • Gefahr für Leib und Leben oder subjektiv erlebte Lebensbedrohung
  • Schwere körperliche Verletzung
  • Absichtsvoll verletzt oder geschädigt worden zu sein
  • Konfrontation mit entstellten oder verstümmelten menschlichen Körpern
  • Plötzlicher oder gewaltsamer Tod einer geliebten Person
  • Zusehen oder davon erfahren, dass einer uns nahestehenden Person Gewalt angetan wurde
  • Einem Giftstoff oder Infekt ausgesetzt sein bzw. hiervon erfahren
  • Tod oder schwere Verletzung eines anderen Menschen verursacht zu haben

    Der zuletzt genannte Vorfall wird in seiner Brisanz oft verkannt. Wer den Tod eines anderen Menschen, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall verursacht hat, wird von anderen oft wie ein Täter behandelt. Dabei neigt er sich selbst gegenüber schon zu heftigen Vorwürfen. Solche Einflüsse können sich leicht zu einer „Negativspirale" verbinden, die in ein „psychotraumatisches Belastungssyndrom" mündet.

Sucht - Alkohol

  • Bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch den zur Gruppe der Alkohole gehörenden Äthylalkohol, der durch Vergärung von Zucker aus unterschiedlichen Grundstoffen gewonnen wird und berauschende Wirkung hat.
  • Zählt zu den Suchtmitteln, deren Erwerb, Besitz und Handel legal sind.

Das Trinken von Alkohol besitzt weitgehend gesellschaftliche Anerkennung. Gesetzliche Einschränkungen des Alkoholkonsums bietet in Deutschland lediglich das Jugendschutzgesetz.

Wirkungsweise:

Alkohol wird über die Schleimhaut des Verdauungstraktes ins Blut aufgenommen, wobei die Aufnahmegeschwindigkeit im Dünndarm größer als im Magen ist. Hier wird die Aufnahmegeschwindigkeit zusätzlich durch die verzehrten Nahrungsmittel beeinflusst. Über das Blut wird der Alkohol im gesamten Körper bis in die Körperwasser der Gewebe verteilt.

Etwa 30 – 60 Minuten nach der Alkoholaufnahme wird die höchste Blutalkoholkonzentration erreicht. 2-5 % des Alkohols werden über Atemluft, Schweiß und Urin ausgeschieden, während der Hauptabbau über die Leber erfolgt.

Abhängig von verschiedenen individuellen Faktoren beträgt die Abbauzeit beim Menschen etwa 0,1 – 0,2 Promille stündlich.

Über das Blut gelangt der Alkohol ins Gehirn, wo er die Informationsübertragung der Nervenzellen beeinflusst, indem er bei einer geringen Dosierung stimulierend, bei mittleren und höheren Dosierungen jedoch hemmend wirkt.

Abhängig von der Dosis wird hierbei der Neurotransmitter (= chemische Substanzen, die als Botenstoffe beider Übertragung der Erregung an den Schaltstellen der Nervenzellen – den Synapsen – freigesetzt werden und dadurch bestimmte hemmende oder erregende Effekte hervorrufen.) Dopamin freigesetzt, dem man – ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln wie Heroin, Nikotin oder Kokain – die „belohnende“ Wirkung des Alkohols zuschreibt.

Bei langfristig erhöhtem Alkoholkonsum verändern sich bestimmte Rezeptoren (= Spezialisierte Sinneszellen, die für die Reizwahrnehmung des Nervensystems verantwortlich sind.) hinsichtlich ihrer Anzahl und ihrer Wirkungsweise.

Hierdurch entstehen bei einem abrupten Absetzen der Substanz massive Fehlregulationen, auf die beispielsweise die auftretenden Entzugserscheinungen (= Die beim Absetzen einer zur Abhängigkeit führenden Substanz auftretenden körperlichen und psychischen Symptome.) zurückzuführen sind.

Aus-Wirkung:

in geringerer Menge:

  • anregend und stimmungssteigernd
  • Abbau von Hemmungen und Ängsten
  • Förderung der Kontakt- und Kommunikationsbereitschaft

Bei mittleren oder höheren Dosierungen

  • gelöste und heitere Stimmung schlägt in Gereiztheit um
  • emotionale Unzugänglichkeit
  • Aggression und Gewalt

Bei ansteigendem Blutalkoholspiegel

  • Vergiftung
  • Störungen der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit
  • Beeinträchtigung der Urteilskraft, Koordinationsfähigkeit und Sprache
  • erhebliche Ermüdung und Benommenheit
  • Koma
  • Tödlicher Ausgang durch Atemlähmung

Folgeschäden – auf lange Sicht:

Körperliche Folgen:

  • Zellschädigungen in praktisch allen Geweben
  • Verdauungs- und Stoffwechselstörungen
  • Veränderung der Leber (Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose = Wucherung im Bindegewebe der Leber mit nachfolgender Verhärtung und Schrumpfung)
  • Veränderung der Bauchspeicheldrüse
  • Veränderung des Herzens (Erweiterung des Herzmuskels)
  • Veränderung des zentralen und peripheren Nervensystems (Hirnatrophie = Schwund von Organen, Geweben und Zellen, Polyneuropathie = Nervenleiden, Nervenkrankheiten)
  • Veränderungen der Muskulatur (Muskelatrophie)

Forschungen zu den langfristigen Effekten von Alkohol belegen darüber hinaus, dass bei langfristigem massiven Alkoholkonsum ein erhöhtes Krebsrisiko besteht:

  • Mund-, Rachen, Speiseröhrenkrebs
  • Bei Frauen Brustkrebs

Psychische Folgen

  • häufige Stimmungsschwankungen
  • innere Unruhe
  • Angstzustände
  • Schlafstörungen mit Alpträumen
  • Depressionen
  • Schweißausbrüche
  • Konzentrationsstörungen
  • Suizidgefährdung

Soziale Folgen

  • soziale Konflikte – Ehen, Beziehungen zerbrechen
  • Arbeitsplatzverlust
  • Auswirkungen für die Entwicklung der im Haushalt lebenden Kinder von Alkoholkranken

Seit 1968 gilt der Alkoholismus als Krankheit. Seit 1978 fällt die Behandlung der Krankheit in die Zuständigkeit der Krankenkassen und der Rentenversicherung.

Alkoholeinfluss bei Tatverdächtigen (2012)
Ausgewählte Straftatengruppen mit besonders hohen Anteilen, Bundesgebiet insgesamt

Straftatgruppen Anteil alkoholisierter Tatverdächtiger in %
Widerstand gegen die Staatsgewalt 63,7
Gewaltkriminalität 32,1
Darunter:  
Totschlag und Tötung auf Verlangen 37,5
Körperverletzung mit Todesfolge 30,4
Vergewaltigung und sexuelle Nötigung 28,9
gefährliche und schwere Körperverletzung 34,6
Mord 19,7
Raub, räuberische Erpressung 18,4
Sachbeschädigung 27,8
vorsätzliche Brandstiftung / Herbeiführen einer Brandgefahr 18,1
Quelle: Egg, Ridpöf (2014): Delikte unter Alkoholeinfluss. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Sucht 2014. Lengerich: Pabst. 154 – 168

Angehörige von Alkoholkranken:

Partner:

  • Sorgen um Gesundheit und Leben des Betroffenen
  • Belastungen, ständige Überforderung z.B. in der Kindererziehung und Haushalt
  • finanzielle Probleme
  • Vereinsamung
  • (sexuelle) Gewalttätigkeit männlicher Betroffener
  • Schamgefühl und Verheimlichung des Leids … Schein nach außen muß gewahrt werden
  • Nervosität und Schlaflosigkeit
  • Magenerkrankungen, Migräne, Depressionen
  • Abhängigkeit

Kinder
Entwickeln eigene Strategien, um ihre Familie zu unterstützen:

  • übernehmen zu früh Verantwortung z.B. für jüngere Geschwister und/ oder suchtkranken Elternteil
  • machen sich scheinbar unsichtbar – wollen nicht auffallen und keine Schwierigkeiten in die Familie tragen
  • das Familienleben der Kinder wird bestimmt durch eine emotionale Verunsicherung, eine große Vereinsamung und Überforderung
  • hohes Risiko später einmal selbst von Suchtmitteln abhängig zu werden oder sich von einem suchtmittelabhängigen Menschen abhängig zu machen

Kinder können auch durch den Alkoholmissbrauch der Eltern dauerhafte Schädigungen erfahren. In Familien in denen ein oder beide Elternteile Alkoholprobleme haben, sind Kinder besonderen seelischen Belastungen ausgesetzt. Sie sind häufig viel zu früh gezwungen, ihre eigenen lebenswichtigen Bedürfnisse zurückzustellen.

  • Streit, Auseinandersetzungen und extreme Stimmungsschwankungen müssen ausgehalten werden
  • Die Kinder können nicht darauf vertrauen, dass ein Versprechen gilt.
  • Selbstvertrauen kann selten entwickelt werden
  • Furcht, Angst und das Gefühl, an der Familiensituation schuldig zu sein, prägen die Kindheit
  • Das „Familiengeheimnis“ wird nicht öffentlich gemacht – die Kinder passen sich an

Sucht - Medikamentensucht

medicamentum (lat. Heilmittel)

„Alle Stoffe oder Stoffzusammensetzungen, die als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder zur Verhütung menschlicher Krankheiten bestimmt sind, oder alle Stoffe oder Stoffzusammensetzung, die im oder am menschlichen Körper verwendet oder einem Menschen verabreicht werden können, um entweder die menschlichen physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung wiederherzustellen, zu korrigieren oder zu beeinflussen oder eine medizinische Diagnose zu erstellen.“

(Definition gemäß der Richtlinie 2001/83/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates)

Die Risiken der Arzneimittelabhängigkeit bedürfen ebenso großer Aufmerksamkeit wie die der Abhängigkeit von Alkohol und illegalen Drogen.

„Die Dosis macht das Gift“ – Paracelsus

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. informiert:

Bei der Anwendung von Medikamenten können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Eine dieser möglichen Nebenwirkungen ist eine Abhängigkeit.

Von Medikamentenmissbrauch spricht man, wenn Medikamente ohne eine entsprechende Indikation, in unangemessen hoher Dosierung oder länger als notwendig eingenommen werden.

Die meisten sogenannten Medikamentenabhängigen erreichen nicht die Abhängigkeit, sondern erleiden Nebenwirkungen, ohne zu erkennen, dass diese von Medikamenten verursacht werden.

Nebenwirkung Sucht

Die wichtigsten Medikamente mit Missbrauchs- und / oder Abhängigkeitspotenzial gehören zu den Gruppen der Schlaf- und Beruhigungsmittel. Antidepressiva und Neuroleptika besitzen das Risiko, missbraucht zu werden. Sie stellen eine Alternative für Schlaf- und Beruhigungsmittel das, dürfen jedoch nicht unkritisch verwendet werden.

Schlaf- und Beruhigungsmittel (Hypnotika, Sedativa und Tranquillantien)

Die Grenzen zwischen angstlösenden Mitteln (Tranquillantien), Beruhigungsmitteln (Sedativa) und Schlafmitteln (Hypnotika) sind fließend und zum Teil willkürlich. Letztlich ist es wie beim Alkohol eine Frage der Dosis – ein wenig davon macht gelöster, mehr davon macht ruhiger, sehr viel ist schlaffördernd. Pflanzliche Präparate können – ebenso wie die synthetischen Mittel aus der Gruppe der Benzodiazepine und Z-Drugs – die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen erschweren und / oder hinauszögern. Sie sollten deshalb immer nur kurzfristig in Krisensituationen eingesetzt werden, bis andere Strategien greifen.

Barbiturate, die Vorgänger der Benzodiazepine, sollten wegen der erheblich schlechteren Verträglichkeit heute nicht mehr als Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzt werden.

Schlafstörungen und Unruhe können viele Ursachen haben. Schlaf- und Beruhigungsmittel wirken jedoch lediglich gegen die Symptome, nicht gegen die Ursachen der Beschwerden.

Die meisten Schlaf- und Beruhigungsmittel beeinträchtigen die Tiefschlaf- und Traumphasen, so dass der Schlaf unter diesen Präparaten zwar ungestört und länger andauernd, aber weniger erholsam ist.

Sucht - Cannabis

Wirkung

Für die berauschende Wirkung ist das im Harz der Pflanze enthaltene Delta-9-Tetrahydrocannabinol (abgekürzt: THC) verantwortlich. THC verstärkt v.a. bereits vorhandene Gefühle und Stimmungen, sowohl positive als auch negative. Positive Gefühle sind Entspannung, innere Ausgeglichenheit, Heiterkeit, Kontaktoffenheit und gesteigerte Wahrnehmung. Negative Gefühle, die verstärkt werden, sind Angst, Panik und Orientierungslosigkeit. Das Kurzzeitgedächtnis, die Reaktionsgeschwindigkeit und die geistige Leistungsfähigkeit sind herabgesetzt.

Akute Risiken des Gebrauchs

Aufgrund der Wirkungen kommt es leichter zu Unfällen und es können Kreislaufprobleme auftreten. Wenn sehr viel Cannabis konsumiert wird, sind Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Panikreaktionen und ein gestörtes Ich-Gefühl („Depersonalisierung“) möglich.

Langzeitfolgen

Über längere Zeit viel gebraucht, kann Cannabis zu Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, zu Antriebs- und Lustlosigkeit bis hin zur Gleichgültigkeit führen. Viele Betroffene ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. In der Pubertät kommt es zu Entwicklungsstörungen. Betroffene entwickeln auch Depressionen und Stimmungstiefs. Wenn Cannabis zusammen mit Tabak geraucht wird, ist das Risiko für Krebs, Atemwegserkrankungen und andere Schädigungen aufgrund der Nikotinaufnahme erhöht.

Abhängigkeit

Durch Cannabis entwickelt sich langsam eine psychische Abhängigkeit.
(Quelle: DHS Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.)

Rechtsgrundlage

Nach § 31 Abs. 6 Satz 1 SGB V haben Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon, wenn

  1. eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung a) nicht zur Verfügung steht oder b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin oder des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann und
  2. eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.

Die Leistung bedarf nach § 31 Abs. 6 Satz 2 SGB V bei der ersten Verordnung für eine Versicherte oder einen Versicherten der nur in begründeten Ausnahmefällen abzulehnenden Genehmigung der Krankenkasse, die vor Beginn der Leistung zu erteilen ist.

Bild zeigt die Auswirkungen/Wirkung von Cannabis, Haschisch, Marihuana, Haschischöl

Persönlichkeitsstörungen

Zu den Merkmalen der Komplexen Traumafolgestörung gehören auch umfassende Veränderungen der Persönlichkeit, die als traumabedingte Persönlichkeitsveränderungen bezeichnet werden. Dazu zählen (Herman 1992; Wöller 1997, 2005; Wöller et al. 2004)

  • Veränderungen des Selbsterlebens mit einem geringen Selbstwertgefühl und einer Neigung zu Schuld- und Schamgefühlen sowie zu Gefühlen der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit,
  • ein verändertes Selbst- und Weltverständnis im Sinne einer Neigung zur Überschätzung der Gefahren in der Welt,
  • eine erhöhte Neigung zur Reviktimisierung im späteren Leben und
  • die Neigung zur Weitergabe der Traumatisierung an die nächste Generation.

Entsprechend der Definition in der ICD-10 (WHO 2000) lassen sich Personen mit der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung durch Auffälligkeiten in ihrem Denken, Fühlen, Verhalten und in ihrer Beziehungsgestaltung beschreiben, die zu nachhaltigen Störungen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens, oft zu erheblichem Leidensdruck oder zu einer gestörten sozialen Funktions- und Leistungsfähigkeit führen.

Zur Definition einer Persönlichkeitsstörung gehört die Feststellung, dass die auffälligen Erlebens- und Verhaltensmuster ihren Ursprung in der Kindheit oder in der Adoleszenz haben und dass sie bis ins Erwachsenenalter andauern. Sie sind definitionsgemäß nicht durch eine körperliche Ursache bedingt und stellen ein Risiko für die psychische Gesundheit dar (WHO 2000).

Persönlichkeitsstörungen sind jedoch nicht Störungen im üblichen klinischen Sinne des Wortes, vor allem keine Krankheiten im Sinne des medizinischen Krankheitsmodells. Wenn wir von einer Persönlichkeitsstörung sprechen, handelt es sich vielmehr um ein Konstrukt zur Beschreibung einer interpersonellen Kommunikationsstörung, die durch einen dysfunktionalen Interaktionsstil der betroffenen Person und die negativen Reaktionen der Interaktionspartner charakterisiert ist.

Bild zeigt ein Gehirn mit Erläuterungen zu 10 Persönlichkeitsstörungen im DSM-S

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